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flughafengesellschaft:geschichte

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Geschichte

Die Geschichte der Flughafengesellschaft Braunschweig reicht über ein Jahrhundert zurück. Von einem Flugplatz auf dem Gelände der alten Fliegerersatzabteilung in Broitzem über den Neubau im Norden Braunschweigs bis zum heutigen Forschungsflughafen – immer standen zwei Dinge im Mittelpunkt: das Fliegen und das Forschen. Die folgenden Abschnitte erzählen die wichtigsten Stationen dieser Geschichte. Die vollständige, nahezu lückenlose Chronik mit jedem einzelnen Ereignis findet sich unter Chronik.

Vom ersten Flughafen bis Waggum

Die Luftfahrtgeschichte Braunschweigs begann mitten im Ersten Weltkrieg: Am 1. April 1917 wurde im Stadtteil Broitzem der erste Flughafen der Stadt in Betrieb genommen. Dorthin verlegte man die „Fliegerersatzabteilung 7„ aus Köln. Schon kurz nach Kriegsende zeigte sich, dass der Platz weit mehr konnte als Militärluftfahrt: Am 25. Mai 1919 wurde Braunschweig an die Luftpostlinie Berlin–Gelsenkirchen angeschlossen, 1927 folgte ein spektakulärer Postflug mit einer Junkers F13 zum Brocken.

Parallel wuchs die Luftsportbewegung. 1921 fand die erste Segelflug-Ausstellung Braunschweigs im Gewächshaus des Schlosses statt, ein Jahr später gründete sich an der Technischen Hochschule der Vorläufer der Akaflieg. Mit der Braunschweigischen Flughafengesellschaft vom 17. August 1926 erhielt das junge Flugwesen erstmals eine feste organisatorische Heimat. Der Motor- und Segelflugtag im April 1931 mit dem berühmten Segelflieger Robert Kronfeld zog bereits mehr als 10.000 Besucher nach Broitzem.

Doch das Gelände in Broitzem stieß an seine Grenzen, und die Wetterbedingungen im Westen der Stadt waren ungünstig. So fiel die Entscheidung, nördlich von Braunschweig einen völlig neuen Flugplatz zu bauen. Am 29. Juni 1934 wurde dazu die Flughafengesellschaft Braunschweig-Waggum gegründet. Am 18. Februar 1935 begannen die Erdbauarbeiten, am 28. September 1935 setzte Flughafendirektor Wilhelm Sondermann als Erster eine Maschine auf dem neuen Platz auf. Am 18. Mai 1936 wurde der Flughafen durch das Luftamt Hannover offiziell abgenommen, und am 27. Mai 1936 erhielt er die Genehmigung als öffentlicher Verkehrsflughafen 1. Ordnung für Flugzeuge bis 14 Tonnen. Ebenfalls 1936 entstand mit der Deutschen Forschungsanstalt für Luftfahrt (DFL) der Keim des heutigen DLR – der Grundstein für den späteren Forschungsflughafen war gelegt.

Der junge Flughafen entwickelte sich rasant. Bereits 1937 wurde er nach Osten bis zur Bevenroder Straße erweitert, das Rollfeld wuchs auf 1.600 Meter. Am 24. März 1937 band die Deutsche Lufthansa Braunschweig an ihr Streckennetz an; die Linie 112 führte mit einer Heinkel He 70 über Braunschweig nach Berlin. Im selben Jahr kamen die flugtechnischen Institute der Technischen Hochschule an den Platz, am 26. November 1938 wurde das erste Luftfahrtlehrzentrum Deutschlands am heutigen Lilienthalplatz eingeweiht. Höhepunkte waren die großen Flugtage: 1937 strömten 85.000 Besucher zum Platz und ließen den Nahverkehr kollabieren, 1939 waren es 75.000. Am 5. Mai 1939 wurde schließlich das neue Empfangsgebäude feierlich eingeweiht, das dem Flughafen bis heute als Hauptgebäude dient.

Zweiter Weltkrieg und Nachkriegszeit

Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs endete die zivile Nutzung abrupt. Am 27. August 1939 stellte man den Flugplatz auf rein militärischen Betrieb um. Der Flughafen wurde Fliegerhorst der Luftwaffe: Segelflugschule, Lastensegler- und Transportverbände sowie Flugzeugführerschulen nutzten den Platz. Am 10. Februar 1941 wurde Waggum erstmals angegriffen, im Rahmen der „Big Week“ der amerikanischen Bomberoffensive am 21. Februar 1944 verfehlten Bomben wegen schlechter Sicht ihr Ziel und fielen in Wohngebiete. Am 10. April 1945 besetzten amerikanische Truppen den Flughafen – für Braunschweigs Luftfahrt begann eine Zeit des Stillstands.

Erst 1951 kehrte wieder Leben an den Platz zurück: Der Aero Club Braunschweig wurde gegründet, 1952 durften die Segelflieger wieder starten, und am 27. Oktober 1952 landete mit einer britischen Taylorcraft Auster das erste Motorflugzeug nach dem Krieg. Am 21. Juli 1953 wurde die Deutsche Forschungsanstalt für Luftfahrt (DFL) in Braunschweig neu gegründet und übernahm die Gebäude des ehemaligen Luftfahrtlehrzentrums. 1954 vergab der Bund den Sitz des neugegründeten Luftfahrt-Bundesamtes (LBA) nach Braunschweig – eine Entscheidung, die den Standort bis heute prägt.

Das Jahr 1955 wurde zum Jahr der Wiedergeburt des Flughafens: Am 18. Juni 1955 erfolgte die Wiederzulassung als Verkehrslandeplatz, am 9. August 1955 die offizielle Abnahme. Der Motorflug war seit Mai 1955 wieder frei, und schon bald wimmelte es am Platz von Luftsportlern: 1956 flog die neugegründete Lufthansa Braunschweig wieder an, 1957 begann die Aero West ihren Schulflugbetrieb, und 1959 wurde die 50.000. Motorfluglandung seit der Freigabe gezählt. Im selben Jahr kam auch die Zoll- und Passabfertigung. Mit über 40.000 Besuchern feierte man 1959 das 25-jährige Bestehen des Flughafens. In den 1950er-Jahren wuchs aber auch die Forschung wieder: Die DFL bekam neue Institute, und der Nachkriegs-Legende des Flughafens, dem von Professor Hermann Winter entwickelten Langsamflugzeug LF 1 „Zaunkönig„, erteilte das LBA am 10. Juni 1955 die erste Verkehrszulassung für ein in der Bundesrepublik gebautes Motorflugzeug.

Ausbau und Umbenennungen

Mit dem Bau der ersten Asphaltbahn kam 1967 der Durchbruch: Am 23. Oktober 1967 wurde die 1.200 Meter lange Bahn abgenommen, am 31. Oktober 1967 feierlich eingeweiht. Der Flughafen wurde der Klasse F zugeordnet und für Maschinen bis 20 Tonnen zugelassen – auch schwere Flugzeuge konnten Braunschweig nun anfliegen. Davon profitierte vor allem die Volkswagen AG, die am 10. Oktober 1963 mit einer Beech Queen Air den Grundstein für ihren eigenen Flugdienst gelegt hatte. Am 29. Juli 1970 wurde die Start- und Landebahn auf 1.560 Meter verlängert, ein Jahr später entstand der große Hangar der Flughafengesellschaft, den VW anmietete.

In den 1970er- und 1980er-Jahren wuchs der Forschungsstandort weiter: 1972/73 wurde der Neubau des Luftfahrt-Bundesamtes errichtet (später vom DLR übernommen), 1979 kam eine neue Kontrollturmkanzel, und am 28. Juni 1981 wurde das Avionik-Zentrum mit Flughalle und Verwaltungsgebäude eröffnet. Höhepunkte waren die internationale Airshow 1983 mit den Kunstflugstaffeln „Red Arrows“ und „Patrouille de France„ sowie die Feierstunde zum 50-jährigen Jubiläum des Flughafens am 29. Juni 1984. Am 23. Oktober 1986 wurde der Flugsicherungsdienst eingeführt – die Voraussetzung für das Instrumentenlandesystem (ILS). Und am 11. Juli 1989 gelang der TU Braunschweig eine Weltpremiere: die weltweit erste automatische Landung eines Flugzeugs mittels Satellitennavigation (GPS).

Nach der Wiedervereinigung verband Braunschweig wieder direkte Linienflüge mit Berlin, und der Ausbau ging weiter: 1993 beschloss der Rat der Stadt den Bau einer eigenen Autobahnanschlussstelle an der A 2, 1997 wurde die Finanzierungsvereinbarung für den Flughafenausbau zwischen Land, Volkswagenwerk und Stadt geschlossen. Am 29. Juni 1994 feierte die Flughafengesellschaft ihren 60. Geburtstag, und am 22. Dezember 1994 wurde aus dem Flughafen Braunschweig-Waggum schlicht „Flughafen Braunschweig“. 1998 gründete sich der Verein Forschungsflughafen Braunschweig e. V., die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) nahm ihre Arbeit auf, und das neue LBA-Gebäude wurde eingeweiht. Am 8. September 2005 schließlich wurde der Flughafen in „Flughafen Braunschweig-Wolfsburg„ umbenannt – ein klares Bekenntnis zu den beiden Städten, die den Standort bis heute tragen.

Der Weg zum heutigen Forschungsflughafen

Die größte Veränderung der jüngeren Geschichte begann 2005: Nach dreijährigen Verhandlungen wurde der Ausbau des Forschungsflughafens mit einem Investitionsvolumen von 34,8 Millionen Euro beschlossen. Am 15. Januar 2007 wurde der Planfeststellungsbeschluss für die Verlängerung der Start- und Landebahn übergeben, gegen den Anwohner und Umweltverbände klagten – das Oberverwaltungsgericht wies die Klage 2009 weitgehend ab, und am 11. November 2009 gab auch das Bundesverwaltungsgericht grünes Licht.

Im Januar 2010 begannen die Arbeiten: Das DLR taufte sein neues Forschungsflugzeug ATRA auf den Namen „Otto Lilienthal“, und ab dem 2. Juli 2010 wurde der Flughafen für vier Wochen geschlossen, um die Start- und Landebahn von 30 auf 45 Meter zu verbreitern, die Rollwege zu erweitern und das Vorfeld auszubauen. Bei den Ausbauarbeiten fanden Kampfmittelräumer mehrfach Splitterbomben aus dem Zweiten Weltkrieg. Am 18. Oktober 2012 wurde die auf 2.300 Meter verlängerte Startbahn in Betrieb genommen – bis heute das Herzstück des Flughafens. Mit dem Einbau einer Sicherheitszone (RESA) und der Erweiterung des Avionik-Clusters wuchs der Standort weiter.

In den folgenden Jahren festigte Braunschweig seinen Ruf als Forschungsflughafen: 2013 erprobte das DLR präzise Satellitennavigation, 2014 folgten Tests neuer Anflugverfahren zur Lärmminderung, und am 18. Januar 2018 erhielt die Betreibergesellschaft die EASA-Zertifizierung – Voraussetzung für den weiteren Betrieb. 2017 übernahm eine eigene Werkfeuerwehr den Brandschutz, und 2019 wurde der neue Markenauftritt vorgestellt. Die Corona-Pandemie traf den Flughafen hart: 2020/21 wurden die Betriebszeiten mehrfach eingeschränkt, die Belegschaft ging zeitweise in Kurzarbeit.

Der jüngste Abschnitt der Geschichte ist von zwei Großprojekten geprägt: Am 28. November 2024 wurde das Remote Tower Center offiziell eröffnet, von dem aus der Flugverkehr auch des Flugplatzes Emden überwacht und gesteuert wird. Und nach nur gut einem Jahr Bauzeit wurde am 19. September 2025 das neue Terminal eingeweiht – mit 825 Quadratmetern Grundfläche und Platz für 200 Passagiere. Der Flughafen Braunschweig-Wolfsburg blickt damit selbstbewusst in seine zweite Jahrhundert-Hälfte: als Forschungsflughafen, der Fliegen und Forschen seit 1934 auf einzigartige Weise verbindet.

Quellen

Autor: Uwe Bethke, unterstützt von KI

flughafengesellschaft/geschichte.1785877672.txt.gz · Zuletzt geändert: von 127.0.0.1

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