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artikel:luftfahrttechnik:remote-tower-center

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artikel:luftfahrttechnik:remote-tower-center [2026/08/14 15:36] adminlcbswikiartikel:luftfahrttechnik:remote-tower-center [2026/08/14 16:53] (aktuell) – [Allgemeines Verständnis] adminlcbswiki
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 ====== Der Tower und seine Kameras ====== ====== Der Tower und seine Kameras ======
  
-Auf dem Kontrollturm des Flughafens Braunschweig-Wolfsburg befindet sich eine auffällige Kameraanlage. Solche Kameras bilden die sichtbare Außensensorik eines Remote-Tower-Systems: Sie erfassen das Flugplatzgelände und übertragen die Bilder in einen räumlich entfernten Kontrollraum.+Der Kontrollturm des Flughafens Braunschweig-Wolfsburg trägt auf seinem Dach eine auffällige Anordnung von Kamerasdie jedem Besucher des Flughafens sofort ins Auge fällt. Bei den Kameras handelt es sich um das **360-Grad-Kamerasystem des Remote Tower Centers** – jener Einrichtung, die es ermöglicht, Flugplätze wie Emden ferngesteuert von Braunschweig aus zu überwachen und zu steuern. Das System ist damit das sichtbare Herzstück der modernen Flugsicherung am Standort.
  
-Ob und in welchem Umfang die auf dem Braunschweiger Tower installierten Kameras unmittelbar zum Remote Tower Center gehören, sollte anhand der technischen Dokumentation des Flughafens belegt werden. +{{https://www.sej.de/galerie/fotos/BWE/TowerCam.jpg|Bild vom Tower des Flughafen Braunschweig-Wolfsburg}}
- +
-{{https://www.sej.de/galerie/fotos/BWE/TowerCam.jpg|Kameraanlage auf dem Tower des Flughafens Braunschweig-Wolfsburg}}+
  
 ===== Remote Tower Center ===== ===== Remote Tower Center =====
  
-Das Remote Tower Center (RTC) am Flughafen Braunschweig-Wolfsburg ist das erste norddeutsche Zentrum dieser Art. Der Begriff „Remote Tower“ bezeichnet die Betreuung eines Flugplatzes aus einem räumlich entfernten Kontrollraum. +Das **Remote Tower Center (RTC)** am Flughafen Braunschweig-Wolfsburg ist das erste norddeutsche Flugsicherungszentrum seiner Art. Auf Deutsch übersetzt bedeutet "Remote Tower" so viel wie **ferngesteuerter Kontrollturm**: Die Fluglotsen sitzen dabei nicht in einem Turm direkt am Flugplatz, sondern überwachen und lenken den Flugverkehr aus der Ferne – unterstützt von hochauflösenden Kameras und Monitoren, die den Blick aus dem Tower ersetzenVon Braunschweig aus werden so Flugplätze ferngesteuert überwacht und gesteuert – ohne herkömmlichen Kontrollturm am jeweiligen Standort. Den Anfang macht der Flugplatz Emden, dessen Flugverkehr seit Anfang 2025 von Braunschweig aus geführt wird.
- +
-Die zuständigen Fachkräfte arbeiten dabei nicht in einem Tower am betreuten Flugplatz. Stattdessen erhalten sie über hochauflösende KamerasMonitore und weitere technische Systeme die für ihre Aufgaben erforderlichen Informationen über das Flugplatzgelände und den Flugverkehr. +
- +
-Als erster Standort wurde der Flugplatz Emden an das Braunschweiger Center angeschlossen. Sein Flugplatzverkehr wird seit Anfang 2025 aus Braunschweig betreut.+
  
 ===== Von der Idee zum Betrieb ===== ===== Von der Idee zum Betrieb =====
  
-Wichtige Grundlagen des Remote-Tower-Konzepts wurden am DLR-Institut für Flugführung in Braunschweig entwickeltDie Forschung an einem virtuellen Kontrollturm begann dort im Jahr 2002. Bereits 2005 entstand am Flughafen Braunschweig-Wolfsburg ein erster Prototyp.+Das Konzept des "Remote Tower" wurde am **DLR-Institut für Flugführung** in Braunschweig entwickeltDie Idee entstand **2002**, **2005** wurde am Flughafen Braunschweig-Wolfsburg der weltweit erste Remote-Tower-Prototyp getestet. **2014** lizenzierte das DLR die Technologie an die Industrie. **2015** nahm mit dem Remote Tower Center in Sundsvall (Schweden) die erste Anlage weltweit den Regelbetrieb auf – von dort wird seither der Flughafen Örnsköldsvik ferngesteuert überwacht.
  
-Nach dem Technologietransfer nahm im Jahr 2015 im schwedischen Sundsvall das weltweit erste Remote-Tower-System im Regelbetrieb seine Arbeit auf. +Für den Standort Braunschweig begann die konkrete Umsetzung mit einer Machbarkeitsstudiedie der Verkehrsflughafen Braunschweig-Wolfsburg und der Flugplatz Emden am **25.09.2019** bei der DFS Aviation Services in Auftrag gaben. Am **14.06.2021** übergab das Niedersächsische Verkehrsministerium einen Förderbescheid über **fünf Millionen Euro** für den Aufbau des ersten norddeutschen Remote Tower Centers. Am **19.05.2022** unterzeichneten die Flughafen Braunschweig-Wolfsburg GmbH, die Flugplatz Emden GmbH und die DFS Aviation Services GmbH den Vertrag zum Bau und Betrieb des Centers. Mit einem Kooperationsvertrag vom **09.12.2022** vertieften Braunschweig und Emden ihre Zusammenarbeit zur Umsetzung des Projekts. Am **28.11.2024** wurde das Remote Tower Center offiziell eröffnet – zunächst in einer **operativen Einführungsphase**, in der die Dienste für Braunschweig-Wolfsburg schrittweise auf das Center übergingen.
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-Die konkrete Umsetzung für Braunschweig und Emden begann 2019 mit einer Machbarkeitsstudie. Auftraggeber waren die Flughafen Braunschweig-Wolfsburg GmbH und die Flugplatz Emden GmbHDurchgeführt wurde die Studie von der DFS Aviation Services GmbH. +
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-Am 14. Juni 2021 übergab das Niedersächsische Verkehrsministerium den Förderbescheid für den Aufbau des ersten norddeutschen Remote Tower Centers. Am 19. Mai 2022 unterzeichneten die Flughafen Braunschweig-Wolfsburg GmbH, die Flugplatz Emden GmbH und die DFS Aviation Services GmbH einen Vertrag zur Umsetzung des Projekts. +
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-Mit einem Kooperationsvertrag vom 9Dezember 2022 vertieften Braunschweig und Emden ihre Zusammenarbeit. Ziel war es, betriebliche und wirtschaftliche Synergien zu schaffen. +
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-Am 28. November 2024 wurde das Remote Tower Center offiziell eröffnet.+
  
 ===== Betrieb und Technik ===== ===== Betrieb und Technik =====
  
-Seit dem 1Januar 2023 übernimmt die DFS Aviation Services GmbH (DAS) die Flugsicherungsaufgaben am Flughafen Braunschweig-Wolfsburg. Zuvor war Austro Control dafür zuständigDie DFS Aviation Services ist eine Tochtergesellschaft der Deutschen Flugsicherung.+Seit dem **01.01.2023** übernimmt die **DFS Aviation Services GmbH (DAS)**, eine Tochtergesellschaft der Deutschen Flugsicherung, die Flugsicherung am Flughafen Braunschweig-Wolfsburg (zuvor nahm diese Aufgabe die Austro Control wahr)Für den Betrieb und die Wartung des Remote Tower Systems arbeiten die DAS mit der **Frequentis DFS Aerosense GmbH** und der **ESPA GmbH** zusammen.
  
-Für den Betrieb und die technische Betreuung des Systems arbeitet die DFS Aviation Services unter anderem mit der Frequentis DFS Aerosense GmbH und der ESPA GmbH zusammen. +Das Herzstück ist ein 360-Grad-Kamerasystem, das das Umfeld des überwachten Flugplatzes in hoher Auflösung auf Monitore im Braunschweiger Kontrollraum überträgtDie ausgelegte Kapazität erlaubt die Überwachung von bis zu **sechs Flughäfen** aus einem Center – ein Modelldas gerade für kleinere und mittlere Verkehrslandeplätze wirtschaftliche Vorteile verspricht. Das Vorhaben wurde vom Land Niedersachsen gefördert.
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-Ein wesentlicher Bestandteil des Systems ist eine optische Rundumsicht. Kameras erfassen das Umfeld des betreuten Flugplatzes und übertragen die Bilder in hoher Auflösung an die Arbeitsplätze im Braunschweiger Kontrollraum. Je nach technischer Ausführung können zusätzlich schwenk- und neigbare Zoomkameras sowie weitere Sensoren und Datenquellen eingesetzt werden. +
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-Das Braunschweiger Center ist nach veröffentlichten Angaben für die Betreuung von bis zu sechs Flugplätzen ausgelegt. Die gemeinsame Nutzung von PersonalTechnik und Infrastruktur kann insbesondere kleineren und mittleren Verkehrslandeplätzen wirtschaftliche Vorteile bieten. +
- +
-Das Vorhaben wurde vom Land Niedersachsen gefördert.+
  
 ===== Häufige Fragen ===== ===== Häufige Fragen =====
  
-Das Remote Tower Center wirft Fragen zur Zulassung, zur Technik und zur Betriebssicherheit auf. Die folgenden Abschnitte geben einen allgemeinen ÜberblickKonkrete technische Einzelheiten des Braunschweiger Systems sind nicht vollständig öffentlich dokumentiert.+Das Remote Tower Center am Flughafen Braunschweig-Wolfsburg wirft viele Fragen auf – von der Zulassung über die Technik bis zur SicherheitDer folgende Abschnitt beantwortet die häufigsten.
  
 ==== Zulassung und Aufsicht ==== ==== Zulassung und Aufsicht ====
  
-Wer prüft und genehmigt ein Remote Tower Center?+**Wer prüft und genehmigt ein Remote Tower Center?** In Deutschland ist das **Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF)** die zuständige Aufsichtsbehörde. Den fachlichen Rahmen bilden international die Normen der **ICAO** (Annex 11 Flugverkehrsdienste, Annex 14 Flugplätze) sowie die europäischen Vorgaben der **EASA**; die technischen Detailanforderungen legt der europäische Standard **EUROCAE ED-240A** fest. Bevor ein solches System in Betrieb geht, muss es nachweisen, dass es mindestens die gleiche Sicherheit bietet wie ein herkömmlicher Kontrollturm – ein Grundsatz, der als "Equivalent Level of Safety" in der Zulassungspraxis verankert ist.
  
-An der Genehmigung und Überwachung eines Remote-Tower-Betriebs sind verschiedene Luftfahrt- und Flugsicherungsbehörden beteiligt. In Deutschland nimmt dabei das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) wichtige Aufgaben wahr. +**Ist eine ferngesteuerte Kontrolle rechtlich ein Tower"?** Ja. Die Fernlotsen erbringen formal dieselben Flugverkehrsdienste wie ein konventioneller Turm. Für die Luftfahrzeugführer ändert sich nichts: Sie sprechen mit einem Fluglotsen beziehungsweise einer Flugleiterin am selben Rufzeichen wie zuvor – nur dass dieser Mensch nicht mehr im Tower am Platz, sondern im Kontrollraum im Braunschweiger Center sitzt.
- +
-Berücksichtigt werden nationale, europäische und internationale Vorgaben. Dazu gehören unter anderem Regelungen der ICAO, Vorgaben der EASA und technische Standards von EUROCAE. +
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-Vor der Aufnahme des Regelbetriebs muss nachgewiesen werden, dass das System die erforderliche Sicherheit und Leistungsfähigkeit erreicht. Dabei werden sowohl die Technik als auch das Personal und die vorgesehenen Betriebs- und Notfallverfahren bewertet. +
- +
-Ist ein Remote Tower rechtlich ein Tower? +
- +
-Der Begriff „Remote Tower“ bezeichnet in erster Linie ein technisches und organisatorisches Betriebskonzept und nicht das herkömmliche Towergebäude. +
- +
-Welche Aufgaben aus der Ferne wahrgenommen werden dürfen, hängt von der Zulassung des Systems, der Art des Flugplatzes und dem dort angebotenen Flugverkehrsdienst ab. Dabei ist insbesondere zwischen Flugverkehrskontrolldienst, Flugplatz-Fluginformationsdienst und Flugleitung zu unterscheiden. +
- +
-Für Piloten bleiben die veröffentlichten Funkfrequenzen und Verfahren des jeweiligen Flugplatzes grundsätzlich bestehen. Der zuständige Arbeitsplatz befindet sich jedoch nicht mehr unmittelbar am betreuten Flugplatz, sondern im Remote Tower Center.+
  
 ==== Technik im Detail ==== ==== Technik im Detail ====
  
-Wie viele Kameras werden eingesetzt?+**Wie viele Kameras sind im Einsatz?** Ein Remote Tower besteht aus zwei Kameragruppen: hochauflösende Panoramakameras, die den vollen 360-Grad-Blick übernehmen, und zusätzliche, schwenk- und neigbare Detailkameras mit Zoom (**Pan-Tilt-Zoom, PTZ**), die das Fernglas des Lotsen ersetzen. Ergänzend liefern **Infrarotkameras** ein Bild auch bei Nacht und schlechter Sicht. Die exakte Kameraanzahl des Braunschweiger Centers wird nicht veröffentlicht; vergleichbare Anlagen der DFS arbeiten mit sechs bis acht Hochleistungskameras für das Rundbild plus PTZ-Kameras für Detailaufnahmen.
  
-Die genaue Kameraausstattung des Braunschweiger Systems ist nicht vollständig öffentlich dokumentiertAllgemein verwenden Remote-Tower-Systeme mehrere Kameras, deren Bilder zu einer möglichst lückenlosen Rundumsicht zusammengesetzt werden.+**Können die Kameras Nebel, Regen, Schnee und Dunkelheit durchdringen?** Bei Dunkelheit ja wesentlich besser als das menschliche Auge: Die Infrarottechnik macht Nachtsicht möglich, in vielen Situationen sogar schärfer als der Blick aus einem FensterBei Nebel, Regen oder Schnee gelten jedoch dieselben physikalischen Grenzen wie für jede optische Sensorik. Ein Remote Tower wird deshalb nur zugelassen, wenn die kombinierte Sensorik mindestens die Sichtleistung erreicht, die für den jeweiligen Flugplatz betrieblich vorgeschrieben ist. Die Kameras sind beheizt und mit automatischen Wisch- und Reinigungssystemen ausgestattetdamit sie im Betrieb frei von Vereisung und Verschmutzung bleiben.
  
-Zusätzliche schwenk- und neigbare Kameras mit Zoom können dazu dieneneinzelne Bereiche oder Objekte vergrößert darzustellenAbhängig vom jeweiligen System lassen sich außerdem WetterdatenVerkehrsinformationen und weitere Sensorinformationen in die Darstellung einbinden.+**Wie groß ist die Übertragungsverzögerung?** Die Bild- und Funkdaten zwischen Braunschweig und den Fernflugplätzen (bei Emden rund 300 Kilometer) laufen über Glasfaser- und Richtfunkverbindungen und werden so übertragendass das Kamerabild praktisch in Echtzeit auf den Monitoren ankommtDie Systeme sind so konstruiertdass die Verzögerung unterhalb der Wahrnehmungsschwelle bleibt und den Lotsen kein verzögertes Bild aus der Tower-Praxis aufdrängt.
  
-Funktionieren die Kameras auch bei Dunkelheit und schlechtem Wetter? +**Was passiert bei einem technischen Ausfall?** Die Anlage ist mehrstufig redundant aufgebaut: Bild- und Funkdaten laufen über **zwei getrennte Rechenzentren und zwei unabhängige Netzbetreiber**ServerArbeitsstationen und Software sind doppelt vorhandenFällt eine einzelne Kamera aus, übernehmen die Nachbarkameras und die PTZ-Detailkameras den betroffenen Bereichzusätzlich greift die automatische Objekterkennung und -verfolgungErst wenn die gesamte Verbindung zu einem Flugplatz ausfällt, greift der letzte Rückfall: Der Betrieb an diesem Platz wird dann auf die örtliche Fluginformationsstelle umgestellt, eine Notfunkdurchsage an die Piloten veranlasst und Starts und Landungen gegebenenfalls ausgesetzt – eine Prozedur, die mit der Aufsichtsbehörde abgestimmt und regelmäßig geübt wird.
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-Geeignete Kameratechnik kann die Sicht bei Dunkelheit verbessern. Auch technische Bildbearbeitung und zusätzliche Sensoren können die Wahrnehmung unterstützen. +
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-Optische Systeme unterliegen jedoch physikalischen Grenzen. Dichter Nebelstarker Niederschlag oder Schneefall können die Sicht ebenso beeinträchtigen wie bei einem herkömmlichen Tower. +
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-Für jeden Standort wird daher festgelegtunter welchen Sicht- und Wetterbedingungen der Betrieb zulässig istWerden die erforderlichen Voraussetzungen nicht erfüllt, greifen betriebliche Einschränkungen und festgelegte Ausweichverfahren. +
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-Entsteht bei der Bildübertragung eine Verzögerung? +
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-Die Kameraund Betriebsdaten werden über Datenverbindungen vom Flugplatz zum Remote Tower Center übertragen. Für einen sicheren Betrieb muss diese Übertragung ausreichend schnellstabil und zuverlässig sein. +
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-Die konkret zulässigen Verzögerungswerte und technischen Kennzahlen der Verbindung zwischen Emden und Braunschweig sind nicht vollständig öffentlich dokumentiert. +
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-Was geschieht bei einem technischen Ausfall? +
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-Remote-Tower-Systeme besitzen technische und betriebliche Rückfallebenen. Deren genaue Ausgestaltung hängt von der jeweiligen Anlage und ihrer Zulassung ab. +
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-Beim Ausfall einer einzelnen Komponente können beispielsweise redundante Systemeandere Kameras oder alternative Datenquellen zur Verfügung stehen. Bei einer schwerwiegenden Störung greifen festgelegte Notfallverfahren. Falls die für einen sicheren Betrieb erforderlichen Informationen oder Kommunikationsverbindungen fehlen, kann der Flugbetrieb eingeschränkt oder vorübergehend eingestellt werden.+
  
 ==== Arbeitsweise und Betrieb ==== ==== Arbeitsweise und Betrieb ====
  
-Wer arbeitet im Remote Tower Center?+**Wer arbeitet im Remote Tower Center?** Fluglotsen und -lotsinnen der **DFS Aviation Services (DAS)**, unterstützt von einem Supervisor, der die Arbeitsplätze koordiniert und die Auslastung steuert. Für den Flugplatz Emden wechseln nach der Test- und Einführungsphase auch lokale Flugleiter in das Braunschweiger Center. Emden ist dabei ein besonderer Fall: Der Platz ist kein vollwertiger Kontrollturm-Standort, sondern wird über einen **AFIS-Dienst** (Aerodrome Flight Information Service) versorgt. Mit der Integration von Emden wird erstmals ein AFIS-Platz in Deutschland aus einem Remote Tower Center heraus bedient.
  
-Im Remote Tower Center arbeiten entsprechend ausgebildete Fachkräfte der DFS Aviation Services GmbHWelche Qualifikation erforderlich istrichtet sich nach dem jeweiligen Flugplatz und der Art des dort angebotenen Dienstes.+**Wie läuft der Kontrolldienst im Alltag ab?** Die Lotsen schauen auf eine aus mehreren Monitoren zusammengesetzte Rundumsicht statt aus Fenstern; anstelle des Fernglases setzen sie die schwenkbaren Kameras einUrsprung und Aufgabe jeder Anweisung sind dieselben wie im Tower. Bei niedrigem Verkehrsaufkommen kann ein Lotse das gesamte Bild eines Flugplatzes allein überwachen; wie viele Arbeitsplätze gleichzeitig besetzt sein müssenhängt von Verkehrsaufkommen und Betriebsphase ab. Ein zentraler Pool an Personal macht es möglich, Ausfälle, Urlaub oder Spitzenlasten flexibler abzudecken, als wenn jedes kleine Flugfeld seinen eigenen durchgehend besetzten Turm vorhalten müsste.
  
-Je nach Aufgabenbereich können außerdem technische Mitarbeiter und für die betriebliche Koordination zuständige Personen eingesetzt werden.+**Wie funktioniert die Funkverbindung zwischen Lotsen und Piloten?** Die Sprechfunkverbindung bleibt für die Piloten völlig unverändert: Sie funken auf denselben Frequenzen mit den Flugplätzen auf der Frequenz des Flugplatzes. Die Übertragung zwischen Braunschweig und dem Fernflugplatz ist IP-basiert über das redundante Datennetz realisiert; die Signalanlage am Flugplatz kann aus der Ferne gesteuert werden, sodass auch ohne Sprechfunk Lichtzeichen wie in einem herkömmlichen Tower möglich sind.
  
-Wie läuft der tägliche Betrieb ab?+==== Sicherheit: Nebel, Dunkelheit und Ausfall ====
  
-Anstelle des unmittelbaren Blicks aus einem Towerfenster nutzen die Mitarbeiter eine auf mehreren Monitoren dargestellte Rundumsicht. Je nach System stehen zusätzliche Detailansichten und weitere flugplatzbezogene Informationen zur Verfügung.+Die wichtigste Frage: **Wie wird die Sicherheit gewährleistet, wenn die Sicht durch Nebel, Dunkelheit oder einen technischen Ausfall eingeschränkt ist?**
  
-Die Arbeitsabläufe richten sich nach dem jeweiligen Flugplatz, der Art des angebotenen Dienstes und dem Verkehrsaufkommen. Durch den zentralen Kontrollraum lassen sich personelle und technische Ressourcen für mehrere Standorte gemeinsam organisieren.+Die Antwort hat vier Ebenen:
  
-Welche Rolle spielt Emden?+- **Gleichwertige Sicht herstellen:** Die Sensorik ist genau dafür ausgelegt, den „Blick aus dem Fenster" durch eine mindestens gleichwertige visuelle Information zu ersetzen. Nachts liefern die Infrarotkameras ein besseres Bild, als ein Mensch bei Dunkelheit sehen kann. Die Einhaltung der geforderten Sichtleistung wird vor der Zulassung messtechnisch nachgewiesen und im laufenden Betrieb überwacht. 
 +- **Redundanz gegen Ausfälle:** Alle sicherheitskritischen Komponenten sind doppelt oder mehrfach vorhanden – zwei Rechenzentren, zwei Netzbetreiber, doppelte Server- und Anzeigesysteme, mehrere Kameras je Sichtbereich. Ein einzelner Komponentenausfall führt damit nicht zum Verlust der Sicht. 
 +- **Abgestufte Rückfallebenen:** Führt die redundante Technik im Ernstfall dennoch zum Ausfall, wird der Platz auf die örtliche Fluginformationsstelle beziehungsweise auf Notfunk umgeschaltet und der Flugbetrieb dort bis zur Wiederherstellung ausgesetzt. 
 +- **Zulassung und Überwachung:** Der Nachweis dieser Ebenen gehört zur Zulassung durch das BAF; ein Sicherheitsmanagementsystem und regelmäßige Audits überwachen die Einhaltung im Betrieb.
  
-Emden ist der erste Flugplatz, der im Rahmen des niedersächsischen Projekts aus Braunschweig betreut wird.+Der Grundsatz dahinter lautet: Der ferngesteuerte Betrieb ist nur so sicherwie es der herkömmliche Tower wäre. Die gesamte Technik ist deshalb so aufgebaut, dass sie unter allen meteorologischen und technischen Bedingungen mindestens die Leistung eines örtlichen Turms erreicht – und fällt das System aus, fällt der Betrieb geordnet in die bewährten Notverfahren zurück.
  
-Bei der Beschreibung der dort erbrachten Leistungen ist zwischen Flugverkehrskontrolldienst, Flugplatz-Fluginformationsdienst (AFIS) und Flugleitung zu unterscheiden. Diese Dienste besitzen unterschiedliche Aufgaben und Befugnisse und sollten daher nicht gleichgesetzt werden.+==== Wirtschaftlichkeit und Zukunft ====
  
-Wie funktioniert die Funkverbindung?+**Was kostet das Projekt?** Nach Angaben des Betreibers wurden für das Remote Tower Center insgesamt rund **zehn Millionen Euro** investiert. Das Land Niedersachsen förderte den Aufbau mit einem **Förderbescheid vom 14.06.2021 über fünf Millionen Euro**; die übrigen Kosten tragen die beteiligten Flugplätze und Projektpartner.
  
-Piloten verwenden weiterhin die für den jeweiligen Flugplatz veröffentlichten Funkfrequenzen und Verfahren. Die Funksignale und weitere betriebliche Informationen werden über Datenverbindungen zwischen dem Flugplatz und dem Remote Tower Center übertragen.+**Warum rechnet sich ein solches Center?** Entscheidend ist der Personalaufwand. Kleine und mittlere Verkehrslandeplätze können es sich kaum leisten, ihren Tower rund um die Uhr mit eigenem Fluglotsen zu besetzen – neben den Kosten fehlt es an Fachkräften. Ein zentrales Center bündelt die Lotsen in einem Pool und steigert so die Wirtschaftlichkeit, während der Service am Fernflugplatz erhalten bleibt. Die Branche rechnet dabei mit Einsparungen, da nicht mehr jeder Platz einzeln personell ausgestattet werden muss.
  
-Die eingesetzten Übertragungswege sowie die technischen und betrieblichen Rückfallebenen sind Bestandteil des zugelassenen Betriebskonzepts.+**Welche Flugplätze werden noch angeschlossen?** Das Braunschweiger Center ist laut Deutscher Flugsicherung auf bis zu **sechs Flughäfen** ausgelegt; welche Plätze nach Emden folgen, wird nicht unabhängig benannt. Erfahrungen mit diesem Modell gibt es bereits aus Leipzig: Das dortige Remote Tower Center der DFS betreibt die Flughäfen Saarbrücken (seit 2018), Erfurt (seit 2022) und Dresden ferngesteuert aus einem gemeinsamen Kontrollraum – ein Beleg, dass der Betrieb mehrerer Plätze aus einem Center auch im Regelbetrieb funktioniert.
  
-==== Sicherheit bei schlechter Sicht und technischen Störungen ==== +**Wie wird sich die Technik weiterentwickeln?** Die Branche arbeitet darandass ein Lotse künftig mehrere Flugplätze gleichzeitig überwachen kann („Multiple Remote Tower")sowie an der Integration flugplatzbezogener Daten in die Panoramadarstellung. Das DLR in Braunschweig, wo das Konzept des virtuellen Kontrollturms entstand, erforscht dafür weiterhin die Zukunft der Flugsicherung – der Standort Braunschweig bleibt damit auch in der Weiterentwicklung des Fernkontrolldienstes eine zentrale Forschungs- und Umsetzungsstätte.
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-Die zentrale Frage lautet: Wie bleibt der Betrieb sicher, wenn die Sicht eingeschränkt ist oder technische Probleme auftreten? +
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-Die Sicherheit beruht auf mehreren Ebenen: +
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-  * **Technische Darstellung:** Kameras und weitere Systeme liefern die für die Betreuung des Flugplatzverkehrs erforderlichen Informationen. +
-  * **Ausfallvorsorge:** Sicherheitsrelevante Komponenten werden so ausgelegt, dass der Ausfall eines einzelnen Bauteils nicht zwangsläufig zum Ausfall des gesamten Systems führt. +
-  * **Betriebliche Grenzen:** Für unterschiedliche Wetter-, Sicht- und Betriebsbedingungen gelten festgelegte Einschränkungen und Verfahren. +
-  * **Rückfallebenen:** Bei schwerwiegenden Störungen kann der Flugbetrieb eingeschränkt oder vorübergehend eingestellt werden. +
-  * **Zulassung und Überwachung:** Technik, Personal und Betriebsverfahren werden vor der Inbetriebnahme geprüft und anschließend fortlaufend überwacht. +
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-Ein Remote Tower ist somit weit mehr als eine Kameraanlage. Seine Sicherheit beruht auf dem Zusammenspiel von Sensorik, Datenübertragung, Darstellung, Kommunikation, qualifiziertem Personal sowie festgelegten Betriebs- und Notfallverfahren. +
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-===== Wirtschaftlichkeit und Zukunft ===== +
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-Was kostet das Projekt? +
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-Das Projekt wurde vom Land Niedersachsen finanziell gefördert. Eine genaue Angabe der Gesamtkosten und ihrer Verteilung auf Förderung, Betreiber und Projektpartner sollte nur auf Grundlage entsprechender Projekt- oder Haushaltsunterlagen erfolgen. +
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-Warum kann ein Remote Tower wirtschaftlich sein? +
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-Ein eigener Tower mit Personal und technischer Infrastruktur verursacht insbesondere bei kleineren Flugplätzen erhebliche Kosten. Ein zentrales Remote Tower Center ermöglicht es, Personal, Technik und organisatorische Abläufe für mehrere Standorte gemeinsam zu nutzen. +
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-Ob und in welchem Umfang Einsparungen entstehen, hängt unter anderem vom Verkehrsaufkommen, den Betriebszeiten, dem Personalbedarf und den technischen Anforderungen der angeschlossenen Flugplätze ab. +
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-Welche Flugplätze könnten künftig angeschlossen werden? +
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-Das Braunschweiger Center ist nach veröffentlichten Angaben für die Betreuung von bis zu sechs Flugplätzen ausgelegt. Welche Standorte nach Emden angeschlossen werden, hängt von den jeweiligen technischen, betrieblichen, wirtschaftlichen und rechtlichen Voraussetzungen ab. +
- +
-Remote-Tower-Systeme werden inzwischen auch an anderen deutschen und europäischen Standorten im Regelbetrieb eingesetzt. Die dort gewonnenen Erfahrungen können in die Weiterentwicklung des niedersächsischen Centers einfließen. +
- +
-Wie wird sich die Technik weiterentwickeln? +
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-Ein wichtiges Forschungs- und Entwicklungsfeld ist die Betreuung mehrerer Flugplätze aus einem gemeinsamen Center. Dabei wird untersuchtunter welchen Voraussetzungen ein Arbeitsplatz nacheinander oder gleichzeitig für mehrere Standorte eingesetzt werden kann+
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-Weitere Entwicklungen betreffen die Einbindung von WetterinformationenFlugdaten und automatischen Hinweisen in die visuelle Darstellung. Das DLR-Institut für Flugführung in Braunschweig forscht weiterhin an solchen Konzepten. +
- +
-Das Remote Tower Center verbindet damit die langjährige Forschung am Standort Braunschweig mit der praktischen Anwendung moderner Flugsicherungstechnik.+
  
 ===== Quellen ===== ===== Quellen =====
- +  * [[https://dfs-as.aero/wp-content/uploads/2024/11/2024_PM_Eroeffnung-RTC-Niedersachsen-.pdf|DFS Aviation Services – Pressemitteilung 28.11.2024 (PDF)]] 
-  * [[https://dfs-as.aero/wp-content/uploads/2024/11/2024_PM_Eroeffnung-RTC-Niedersachsen-.pdf|DFS Aviation Services – Pressemitteilung zur   Eröffnung des RTC Niedersachsen]]+  [[https://www.mw.niedersachsen.de/startseite/|Niedersächsisches Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Bauen und Digitalisierung – Förderbescheid 14.06.2021]] 
 +  * [[https://www.welt.de/regionales/niedersachsen/article254694066/Flugsicherung-aus-der-Ferne-Braunschweig-steuert-Emden-mit.html|WELT/dpa – Flugsicherung aus der Ferne (28.11.2024)]] 
 +  * [[https://www.airliners.de/remote-tower-center-braunschweig-wolfsburg-emden/78006|airliners.de – Remote Tower Center für Braunschweig-Wolfsburg und Emden (28.11.2024)]]
   * [[https://www.dlr.de/de/fl/forschung-transfer/projekte/virtual-tower|DLR-Institut für Flugführung – Virtual Tower]]   * [[https://www.dlr.de/de/fl/forschung-transfer/projekte/virtual-tower|DLR-Institut für Flugführung – Virtual Tower]]
   * [[https://de.wikipedia.org/wiki/Remote_Tower|Wikipedia: Remote Tower]]   * [[https://de.wikipedia.org/wiki/Remote_Tower|Wikipedia: Remote Tower]]
-  * [[https://www.baf.bund.de/|Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung]] +  * [[https://www.baf.bund.de/|Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF)]] 
-  * [[https://www.eurocae.net/|EUROCAE]] +  * [[https://www.eurocae.net/|EUROCAE – Standard ED-240A]] 
-  * [[https://www.icao.int/|Internationale Zivilluftfahrtorganisation]]+  * [[https://www.icao.int/|ICAO – Annex 11 und Annex 14]]
   * [[chronik:2020:start|Chronik des Flughafens Braunschweig-Wolfsburg]]   * [[chronik:2020:start|Chronik des Flughafens Braunschweig-Wolfsburg]]
  
-//Autor: Swen E. Johannes unterstützt mit KI//+//Autor: Swen E. Johannes// 
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