Die Flight Calibration Services GmbH (FCS) ist ein führender Anbieter von Flugvermessungsdienstleistungen mit Sitz in der Hermann-Blenk-Straße 32 A am Forschungsflughafen Braunschweig. Das Unternehmen ist ein Joint Venture der Flugsicherungs-Provider DFS Deutsche Flugsicherung GmbH, Austro Control GmbH und skyguide ltd. Im Vereinsregister-Äquivalent (Handelsregister) ist die FCS beim Amtsgericht Braunschweig unter HRB 3859 eingetragen.
Die FCS vermisst Navigationsanlagen der Luftfahrt und Surveillance-Systeme der Flugsicherung und validiert An- und Abflugverfahren. Dafür setzt sie mehrere mit modernster Technik ausgerüstete Beechcraft King Air 350-Messflugzeuge sowie Learjet 35A-Flugzeuge für die Radarflugvermessung ein. Insgesamt leistet das Unternehmen mehrere tausend Flugvermessungsstunden pro Jahr.
Die Vermessungssysteme der FCS (u. a. das Aerodata AD-AFIS-220-System) sind durch das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) zertifiziert; die ISO-9001-Zertifizierung besteht seit 2003. Der Standort Braunschweig ist seit 2009 eine vom Luftfahrt-Bundesamt (LBA) genehmigte CAMO-Flugzeugwartungsorganisation; die FCS betreibt das benachbarte Beechcraft-Wartungszentrum am Flughafen. Seit 2017 operiert die FCS als „Commercial Specialized Operations„-Operator unter Part-SPO.
Die FCS setzt für Flugvermessung und Flight Validation mehrere Beechcraft King Air 350-Flugzeuge ein; einige Kennungen sind in der LCBS-Bilderdatenbank vertreten. Die Aufnahmen zeigen jeweils das meistgesehene Bild der Kennung:

D-CFMD – Beechcraft 300 Super King Air 350
Die Geschichte der FCS ist untrennbar mit der über 70-jährigen Tradition der Flugvermessung in Deutschland verbunden. Schon 1953, kurz nach der Gründung der Bundesanstalt für Flugsicherung (BFS), wurden erste Vermessungsflüge durchgeführt – damals noch mit Sportflugzeugen und Ballonen, später mit legendären Maschinen wie der Handley Page Marathon, der De Havilland Dove oder der Douglas C-47.
Eine entscheidende Rolle spielte die Bundeswehr: Die 4. Staffel des Fernmeldelehr- und Versuchsregiments 61 in Lechfeld betrieb eigene Vermessungsflugzeuge und entwickelte das ikonische Staffelwappen, den berühmten „Messlöwen“. In den 1970er-Jahren vereinigten sich zivile und militärische Kräfte zur Gemeinsamen Flugvermessungsstelle (GFMS), die ebenfalls in Lechfeld stationiert war und zeitweise eine Flotte von sieben De Havilland Dove sowie ab 1976 eine Hawker-Siddeley HS.125 für die Radarflugvermessung betrieb.
Als die Bundesanstalt für Flugsicherung 1993 in die privatrechtliche DFS Deutsche Flugsicherung GmbH umgewandelt wurde, kam es zu einer grundlegenden Neuorganisation: Das DFS-Konzept setzte auf kleinere Flugzeuge und damals neu verfügbare kommerzielle Vermessungstechnik, um die Kosten zu senken. Zwei Beechcraft King Air 350 wurden beschafft. Am 01.10.1994 zog die Deutsche Flugmessgesellschaft (DFMG) – ein Vorläufer der späteren FCS – von Lechfeld an den Forschungsflughafen Braunschweig um (→ LCBS-Chronik). Die eigentliche Flugvermessungseinheit wurde damit nach Braunschweig verlagert, wo mit der Aerodata AG ein Partner für die Vermessungssysteme ansässig war. Ab 1995 waren entsprechende King-Air-Messflugzeuge am Flughafen Braunschweig-Wolfsburg stationiert.
In der Folge weitete sich die Zusammenarbeit im Flugsicherungsverbund aus: 1997 erwarb der Schweizer Flugsicherungsanbieter (swisscontrol, heute skyguide) einen Anteil an der Messgesellschaft, es folgte 1998 die österreichische Austro Control. Aus dieser Zusammenarbeit ging in 2001 die FCS Flight Calibration Services GmbH hervor, deren Tätigkeit sich neben Deutschland auch auf weitere europäische Länder und darüber hinaus erstreckte. Die FCS ist damit der Rechtsnachfolger der Gemeinsamen Flugvermessungsstelle und führt bis heute zivile wie militärische Flugvermessung unter einem Dach zusammen.
Ein prägender Einschnitt war der Verlust einer Maschine beim sog. „Charlie-Unfall„ D-CFMC: Die Beechcraft 300 Super King Air (Baujahr 1986, MSN FA-104) verunglückte am 24.10.2000 beim Anflug auf den Verkehrslandeplatz Donaueschingen/Villingen und prallte südwestlich davon bei Blumberg gegen einen bewaldeten Höhenzug, wobei beide Flugzeugführer und beide Flugvermessungsingenieure ums Leben kamen. Der BFU-Untersuchungsbericht führte den Controlled-Flight-into-Terrain-Unfall darauf zurück, dass die Besatzung den IFR-Anflug vor Erreichen der Mindestflughöhe abgebrochen und nach Sichtflugregeln zu früh mit dem Sinkflug begonnen hatte. Als beitragende Faktoren wurden u. a. genannt, dass sich die Besatzung mit dem nur für Flugvermessungszwecke vorgesehenen FMS navigierte sowie das Fehlen von Anflug-Briefing und Durchsagen im Cockpit.
Am Standort Braunschweig bleibt die FCS eng mit dem Forschungsflughafen verbunden: 2022 übernahm das Unternehmen die Flugvermessung der Navigationsanlagen am Flughafen Braunschweig-Wolfsburg selbst und engagiert sich zudem intensiv in der Drohnen-Technologie zur Unterstützung der Messprozesse.
Autor: Swen E. Johannes, unterstützt von KI